Die klassische Parkimmobilie steht vor ihrer größten Transformation seit 60 Jahren. Sinkende Pkw-Dichten in den Innenstädten und regulatorischer Druck auf fossile Mobilität setzen Single-Use-Parkhäuser unter Margendruck. Die Neupositionierung als Mobility Hub dreht das um: Sieben zusätzliche Ertragsmodule diversifizieren das Einkommen. Wie viel das wert sein kann, zeigt der Columbus Mobility Hub in Ohio. NOYACK Capital steigerte den Wert des Parkhauses durch genau diese Diversifikation binnen vier Jahren um 38%.

7
Zusätzliche Ertragsmodule
≈191.000€
Zusätzliches Ertragspotenzial p.a. (sieben Module)
2,5-3,0Mio. €
Wertzuwachs (eigene Modellrechnung TREAM)

Der DACH-Markt im Umbruch

Berlin hat unter den deutschen Bundesländern die niedrigste Pkw-Dichte. 2025 sank sie weiter auf 334 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner (Statistisches Bundesamt, August 2025). Wien geht weiter: Die Stadt will die Pkw-Dichte von aktuell 363 auf 250 bis 2030 senken, gestützt auf ein Modal-Split-Ziel von 74% umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. In der Schweiz ist der Motorisierungsgrad seit 2021 erstmals rückläufig.

Parallel zieht die Regulatorik an. Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) verpflichtet Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen seit Januar 2025 zur Errichtung mindestens eines Ladepunkts. Die EU-Gebäuderichtlinie EPBD verschärft das ab 2027 auf einen Ladepunkt pro zehn Stellplätzen bei Bestandsgebäuden. Deutschland muss die Novelle bis Mai 2026 per GEIG-Novelle in nationales Recht umsetzen. München senkt den Stellplatzschlüssel im Wohnungsbau auf bis zu 0,3 Stellplätze pro Wohneinheit, wenn ein Mobilitätskonzept vorliegt. Das konzentriert die Nachfrage auf professionell bewirtschaftete Flächen.

Die Parkgebühren bleiben davon unberührt robust: Stuttgart verlangt im Schnitt bis zu 4,60 €/Stunde für Kurzzeitparken in der Innenstadt – einer der höchsten Werte deutschlandweit. Trotzdem kämpfen klassische Objekte mit dem Belegungsgrad. Das Kölner Parkhaus Magnus 31 litt vor seiner Umnutzung unter unzureichender Belegung, der genaue Prozentwert ließ sich unabhängig nicht verifizieren. Mehr dazu im Praxisbeispiel unten. Wer nicht repositioniert, riskiert Margenerosion.

Sieben Ertragsmodule, sortiert nach Ertragspotenzial

Sieben Ertragsmodule für den transformierten Mobility Hub P Mobility Hub Laden E-Ladeinfrastruktur PV Photovoltaik Logistik Micro-Fulfillment & Last-Mile-Logistik Events Pop-Up-Flächen und Events Sharing Mobility-Sharing- Stationen Locker Paketlocker- Systeme Werbung Werbeflächen & Digital Signage
Sieben Ertragsmodule rund um den transformierten Mobility Hub. Eigene Darstellung TREAM GmbH.

Photovoltaik

Für eine auf einem 2.000-m²-Parkhausdach typische ~300-kWp-Anlage liegt der spezifische Ertrag bei 900-1.100 kWh/kWp und Jahr, also rund 270.000-330.000 kWh Gesamtertrag. Bei reiner Volleinspeisung (Marktprämie aktuell rund 8-9 ct/kWh je nach Anlagengröße, Bundesnetzagentur, EEG-Fördersätze, gültig 1. Februar-31. Juli 2026) ergibt das einen Jahresertrag von rund 22.500 €. Fließen 25-40% des Stroms in die eigene E-Ladeinfrastruktur, steigt der Jahresertrag auf 26.000-60.000 €. Grundlage ist ein Verkaufspreis an Ladekunden von 35-50 ct/kWh brutto. Die zugehörige Ladeinfrastruktur kostet rund 3.000-7.000 € pro Ladepunkt. Die PV-Anlage amortisiert sich bei Modulkosten von 1.400-1.800 €/kWp in der Regel innerhalb von 8-12 Jahren, je nach Eigenverbrauchsanteil.

Mobility-Sharing

Carsharing- und Bikesharing-Anbieter zahlen schätzungsweise 150-400 € pro Stellplatz im Monat, je nach Standort und Verhandlung. Eine belastbare bundesweite Quelle dafür ließ sich nicht finden. Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt im Durchschnitt 10,7 private Pkw, stationsbasiert in Innenstadtlagen teils bis zu 20 (Bundesverband CarSharing, Jahresbericht 2024/25). Das ist ein Argument in Stellplatzverhandlungen mit Kommunen. Zehn dedizierte Sharing-Stellplätze bringen 18.000-48.000 € im Jahr (eigene Modellrechnung TREAM).

Ladestation für Fahrräder und E-Scooter in einem Parkhaus

Solarbetriebene Ladestation für E-Bikes und E-Scooter (Swiftmile). Quelle: Blackxperience

Pop-Up-Flächen und Events

Die industrielle Ästhetik von Parkhäusern eignet sich für Fashion Shows, Ausstellungen oder temporären Retail. Für Eventflächen in Berlin sind Stundenmieten von rund 60-80 € realistisch – eine belastbare öffentlich zugängliche deutsche Quelle dafür ließ sich nicht finden. Schon bei konservativen 50 Vermietungstagen im Jahr (à 8 Stunden) kommen 28.000-35.000 € zusätzlich zusammen (eigene Modellrechnung TREAM). Operativ steht das Modul im Spannungsfeld zur digitalen, personalarmen Parkhausverwaltung. Akquise, Auf- und Abbau sowie Vor-Ort-Betreuung binden Personal, das der Betreiber einpreisen muss.

Fotoausstellung auf den Parkdecks eines Parkhauses
Padel-Tennis-Anlage auf dem Dach eines Parkhauses in Berlin

Fotoausstellung auf den Parkdecks – temporäre Kulturnutzung von Parkhausflächen. Quelle: Fumes and Perfumes, Frank Bayh & Steff Ochs

Rooftop-Padel-Tennis-Anlage auf einem Parkhausdach in Berlin-Friedrichshain (TIO TIO Hub). Quelle: APCOA Deutschland

E-Ladeinfrastruktur

In deutschen Parkhäusern dominieren AC-Normallader mit 11-22 kW Ladeleistung. Sie passen zur typischen Standzeit der Nutzer und sind günstiger zu installieren als einzelne DC-Schnelllader. Die Investition liegt bei rund 3.000-7.000 € pro Ladepunkt. Abgerechnet wird meist zwischen 0,52 und 0,75 €/kWh. Bei Schnellladern liegt der Nutzungsgrad laut Branchenangaben erst bei 2-8%. Für AC-Normallader an Parkhausstandorten gibt es keine vergleichbare Statistik. Der Wert dürfte höher liegen, weil diese Lader an die ohnehin vorhandene Standzeit der Parkkunden andocken. Bei einem Bundesziel von einer Million Ladepunkten bis 2030 (aktuell 151.452 Normalladepunkte und 52.499 Schnellladepunkte, Bundesnetzagentur, Stand 1. Mai 2026) bleibt viel Raum nach oben. Die THG-Quote bringt zusätzlich 3-4,5 ct/kWh. Ein typisches Bündel von sechs bis zehn AC-Ladepunkten in einem Parkhaus kommt auf 6.000-30.000 € im Jahr. DC-Schnelllader kosten in Anschaffung und Netzanschluss zusammen 30.000-130.000 €, je nach Ladeleistung und Netzanschlusssituation. Sie lohnen sich eher an reinen Mobility Hubs mit hohem Durchsatz als im klassischen Parkhaus-Bestand (siehe eliso-Beispiel unten).

Werbeflächen und Digital Signage

Klassische 18-m²-Großflächen an Parkhausfassaden werden mit 800-2.500 € monatlich beworben, digitale Screens an Ein- und Ausfahrten mit 1.200-3.000 € pro Screen. Diese Listenpreise gelten nur für Premium-Lagen mit hoher Sichtbarkeit. Eine belastbare verbandsseitige Quelle dafür ließ sich nicht finden. Der tatsächliche Werbeumsatz pro Parkhaus liegt in der Praxis durchgängig unter 10.000 € im Jahr. Die theoretischen Listenpreise werden kaum erreicht, meist wegen fehlender Vermarktungskapazität oder mangelnder Nachfrage abseits von Hauptverkehrsadern.

Paketlocker

Amazon zahlt Standortpartnern 100-200 € pro Monat und Locker, plus mögliche Werbeerlöse. DHL-Packstationen erreichen mittlerweile 90% der Bevölkerung innerhalb von zehn Minuten – die Nachfrage nach guten Standorten steigt. In der Praxis passen selten mehr als ein bis zwei Locker pro Parkhaus, ohne Stellplätze zu verdrängen. Ein bis zwei Stationen erzielen 1.200-4.800 € im Jahr (eigene Modellrechnung TREAM).

Micro-Fulfillment und Last-Mile-Logistik

Die Nachfrage nach innerstädtischen Logistik- und Umschlagflächen wächst laut Branchenberichten spürbar. In München erreichen Logistikflächen bereits Spitzenmieten von 10,70 €/m², bundesweit der höchste Wert. Diese Marktmieten lassen sich aber nicht 1:1 auf Parkhausflächen übertragen: Ein vollwertiges 500-m²-Mikrodepot würde ebenso viele Stellplätze und damit deren laufenden Parkumsatz verdrängen. In der Praxis mieten Anbieter meist nur 5-10 Stellplätze für wenige Stunden in frequenzarmen Zeiten, vor allem früh morgens vor Geschäftsöffnung. Genutzt werden sie für Be- und Entladevorgänge im Last-Mile-Bereich. Einen Anhaltspunkt liefert die Fraunhofer-IAO-Studie zum Pilotprojekt logSPAZE in Stuttgart, Datenbasis 2019-2020. Die Dienstleister für Kurier, Express und Paket (KEP) zahlten dort für Mikro-Hub-Flächen rund 6-10 €/m² im Monat bei durchgehender Nutzung. Bei rund 23 m² pro Parkhausstellplatz ergäbe das für 5-10 Stellplätze etwa 700-2.300 € im Monat, also 8.000-27.000 € im Jahr bei voller Belegung. Parkhäuser vermieten die Flächen nur stundenweise statt durchgehend. Der real erzielbare Betrag fällt deshalb deutlich niedriger aus: einige tausend bis niedrige fünfstellige € zusätzlich pro Jahr. Der reguläre Parkbetrieb tagsüber bleibt dabei ungestört. Damit bleibt das Modul ein ergänzender Baustein neben E-Laden und PV, kein eigenständiger Hauptertragstreiber. Im Donut-Chart unten erscheint es deshalb nur als gestrichelt markierter Richtwert am unteren Ende dieser Spanne, nicht als belastbare Einzelzahl wie die übrigen sechs Module.

Elektrisches Lastenrad für die Last-Mile-Logistik am Parkhaus

E-Lastenrad für die Last-Mile-Zustellung ab Parkhaus-Hub. Quelle: APCOA Deutschland

Jahresertrag je Modul (oberer Bandbreitenwert bzw. Richtwert) und Gesamtpotenzial bei vollständiger Mobility-Hub-Umwandlung – Modul anklicken oder mit der Maus berühren für Details ≈ 191.000 € zusätzliches Ertrags- potenzial p.a. Photovoltaik 60.000 € Mobility-Sharing 48.000 € Pop-Up & Events 35.000 € E-Laden 30.000 € Werbeflächen 10.000 € Paketlocker 4.800 € Micro-Fulfillment* ~3.000 €
Quellen & Erläuterungen

Sieben Ertragsmodule, jeweils oberer Bandbreitenwert je Bezugseinheit; Summe bei vollständiger Parallelumsetzung (in der Praxis selten alles gleichzeitig realisierbar). Micro-Fulfillment (gestrichelter Rand) als konservativer Richtwert. Alle Werte eigene Modellrechnung TREAM.

Der eigentliche Hebel liegt im Immobilienwert. Das zusätzliche Ertragspotenzial von rund 191.000 € pro Jahr entspricht überschlägig einem Wertzuwachs von 2,5-3,0 Mio. € (eigene Modellrechnung TREAM). Für Bestandshalter ist die Umwandlung zum Mobility Hub damit primär eine Wertsteigerungsmaßnahme. Der laufende Mehrertrag ist der Nebeneffekt.

Was die Transformation mit dem Einnahmenmix macht

Die Module verändern nicht nur die Höhe des Umsatzes, sondern auch seine Zusammensetzung. Im TREAM-Modell trägt der Kurzparker im Ausgangsjahr rund zwei Drittel des Umsatzes. Nach vier Jahren Transformation liegt sein Anteil bei 58 Prozent – bei einem gleichzeitig um knapp 40 Prozent höheren Gesamtumsatz. Der Kurzparkerumsatz sinkt also nur relativ, während Energie, Sharing-Flächen und Logistik ein zweites Standbein aufbauen. Genau diese Verschiebung entlastet das Risikoprofil: Der Cashflow hängt am Ende weniger stark an einem einzigen Nachfragetreiber.

Einnahmenstruktur vor und nach der Hub-Transformation: Kurzparkeranteil sinkt von 67 auf 58 Prozent, Gesamtumsatz steigt um rund 40 Prozent 0 40 80 120 140 Jahr 1 Jahr 4 67 % 30 % 58 % 25 % Gesamtumsatz +39 % Kurzparker Dauerparker Energie / PV Shared Mobility Lager & Logistik Werbung
Quellen & Erläuterungen

Vereinfachtes TREAM-Modell, Umsatz indexiert auf 100 im Jahr 1. Anteile: Kurzparker 67 auf 58 %, Dauerparker 30 auf 25 %, Energie/PV 7 %, Shared Mobility und Lager & Logistik je 3–4 %, Werbung 2–3 %. Die für die neuen Module erforderlichen Investitionen sind in dieser Darstellung nicht abgebildet.

»Kommunale Stellplatzreduktionen steigern systematisch den Wert professionell bewirtschafteter Parkflächen – während viele Bestandshalter das Transformationspotenzial ihrer eigenen Objekte unterschätzen.«

Mobility Hubs in der Praxis: Sechs Projekte mit Kennzahlen

Die sieben Module sind die Theorie. Gebaut wurden sie längst: als Neubau auf der grünen Wiese, als Umnutzung im Bestand, als reine Neubewertung ohne Baueingriff. Oder als Pilot, der gerade erst entsteht.

Mobility Hub Zug Nord, Schweiz – das Full-Scale-Modell

Mit einem Investitionsvolumen von CHF 28-30 Mio. (rund 29-31 Mio. €) entstanden auf 2.500 m² Gebäudefläche 596 Smart-Parking-Stellplätze, E-Ladestationen, Shared-Mobility-Angebote mit TIER, Retail-Flächen und ein öffentliches Bistro. Das Objekt ist für autonomes Parken vorbereitet und integriert zwei Buslinien sowie selbstfahrende Shuttles. Als Kernstück des Tech Cluster Zug verdreifacht der Hub die Mitarbeiterkapazität bei gleichbleibender Verkehrsbelastung. Das ist ein ESG-Argument mit messbarer Wirkung. ESG steht für Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien, an denen institutionelle Investoren Objekte bewerten (Hosoya Schaefer Architects, fertiggestellt 2022).

Magnus 31, Köln – Value-Add im Bestand

Das 1960er-Jahre-Parkhaus am Friesenplatz mit 450 Stellplätzen litt vor seiner Umnutzung unter unzureichender Belegung, der genaue Prozentwert ließ sich unabhängig nicht verifizieren. Heute ist es ein Mixed-Use-Objekt: 250 optimierte Stellplätze, 31 Eigentumswohnungen von 70-200 m², E-Ladeinfrastruktur und ein begrünter Innenhof. Sämtliche Wohnungen waren vor Fertigstellung verkauft – ein starker Indikator für Renditeerwartungen über dem reinen Parking-Modell. Die Auszeichnung beim Kölner Architekturpreis 2017 validiert die Projektqualität (BDA, Bund Deutscher Architektinnen und Architekten).

Columbus Mobility Hub, Ohio, USA – die Neubewertung

NOYACK Capital erwarb das 11-stöckige Parkhaus im Central Business District für 36 Mio. USD. Binnen vier Jahren erzielte es eine Wertsteigerung von 38% durch die Transformation zum „Layer Cake of Logistics": Amazon/Walmart-Locker, EV-Charging, Cold Storage, Ghost Kitchens und Last-Mile-Mikrodepots. Die Reklassifizierung von „Structured Parking" zu „Supply Chain Real Estate" ermöglichte höhere Bewertungsmultiples, ohne einen einzigen Baueingriff am Gebäude selbst (NOYACK Capital).

»Drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen – Neubau, Bestandsumnutzung, Hochhaus-Repositionierung – führen zum selben Ergebnis: Diversifizierte Ertragsmodule schlagen das klassische Single-Use-Parkhaus.«

Neckarpark, Stuttgart – Energiezentrale im Quartier

Das Quartiersparkhaus im Stuttgarter Neckarpark hat 344 Pkw-Stellplätze auf einem Untergeschoss und fünf oberirdischen Ebenen, mit Kleinwagen- und Motorradplätzen rund 353. Dazu kommt eine Energiezentrale, die das gesamte angrenzende Quartier versorgt: rund 850 Wohneinheiten, Gewerbeflächen und ein Schwimmbad. Die Photovoltaikanlage auf dem Parkhausdach erzeugt laut BauNetz Wissen bis zu 142.350 kWh pro Jahr. Die Abwärme der Blockheizkraftwerke spart 1.650 Tonnen CO₂ jährlich (Stadt Stuttgart, BauNetz Wissen).

Quartiersparkhaus mit Energiezentrale im Stuttgarter Neckarpark

Quartiersparkhaus mit Energiezentrale, Neckarpark Stuttgart. Quelle: Stadt Stuttgart

Klimagarage, Bremen – Pilot im Kornquartier

In Bremen zieht die Klimagarage im autofreien Kornquartier nach: Goldbeck hat den Bau begonnen. Pandemie und Baukosten haben ihn gegenüber dem ursprünglich für 2024 geplanten Baustart verzögert. Die Garage kombiniert Wärmepumpe, Speicher und Ladeinfrastruktur für das 17-Block-Quartier mit rund 350 Wohnungen (Weser-Kurier).

Visualisierung der Klimagarage im Bremer Kornquartier mit Photovoltaik- und Gründach

Visualisierung der Klimagarage, Kornquartier Bremen. Quelle: GOLDBECK

eliso-Ladepark – Hochdurchsatz für DC-Schnelllader

eliso ist seit 2022 Tochter von VINCI Concessions. Das Unternehmen baut im staatlichen Deutschlandnetz-Programm nach eigenen Angaben bis zu 800 Ultraschnellladepunkte an über 100 Standorten – mit bis zu 400 kW Ladeleistung. Das Investitionsvolumen liegt bei 200 Mio. €, davon 130 Mio. € als Green Financing (eliso, electrive.net, Mai 2025). Solche Ladeparks lassen sich strukturell direkt in bestehende Parkhausflächen integrieren. Es ist genau das Modul, das oben als umsatzstärkstes Ertragsmodul auftaucht, hier aber auf reinen Hochdurchsatz statt auf den klassischen Parkhaus-Bestand zugeschnitten.

Keines der sechs Projekte ist eine Blaupause für jedes Parkhaus. Zug Nord ist ein Neubau mit Quartiersanbindung, Magnus 31 eine Bestandsumnutzung mit Wohnungsbau-Exit, Columbus eine reine Repositionierung ohne bauliche Eingriffe. Neckarpark und Bremen sind Infrastruktur-Piloten, eliso ein spezialisiertes Ladenetz. Gemeinsam zeigen sie: Die Transformation funktioniert über sehr unterschiedliche Ausgangslagen hinweg, solange die Diversifikation der Ertragsquellen konsequent durchgezogen wird.

Investment-Rationale: Diversifikation verbessert das Risiko-Rendite-Profil

Klassische Parkhäuser erzielen nach TREAM-Erfahrungswerten aus aktuellen Parkhausportfolios Cash-on-Cash-Renditen von rund 5-7,5%, je nach Lage und Betreiberstruktur. Cash-on-Cash setzt den jährlichen Netto-Cashflow ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital, misst also die Eigenkapitalverzinsung. Eine genauere Aufschlüsselung lässt die Vertraulichkeit der zugrunde liegenden Mandate nicht zu. Dass Diversifikation diese Bandbreite nach oben verschiebt, zeigt ein externer Vergleichsfall. Der Columbus Mobility Hub erzielte durch die Streuung auf mehrere Ertragsquellen eine Wertsteigerung von 38% in vier Jahren. Diversifikation schlägt sich also in höheren Bewertungsmultiples nieder. Die US-Zahl lässt sich aber nicht direkt in eine TREAM-Renditeprognose für deutsche Parkhausportfolios übersetzen.

Der ESG-Effekt kommt dazu: PV, E-Laden und Shared Mobility senken den CO₂-Fußabdruck messbar und verbessern die Konformität mit der EU-Taxonomie. Die EU-Taxonomie ist das europäische Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten und wird für institutionelles Kapital zunehmend zum Kriterium.

Fazit: Vom Mono-Asset zur Mixed-Use-Immobilie

Parkimmobilien durchlaufen einen strukturellen Wandel: vom Mono-Nutzungs-Asset, das ausschließlich von der Stellplatzgebühr lebt, zur Mixed-Use-Immobilie mit mehreren parallelen Ertragsquellen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung bestätigt diese Entwicklung für großflächige Parkflächen. In seiner 2025 veröffentlichten Studie zur Mehrfachnutzung identifizierten die Forschenden allein in der Modellstadt Dortmund 1.318 großflächige Parkplätze auf 361 Hektar mit Transformationspotenzial. Die Empfehlung des BBSR lautet Mehrfachnutzung statt Rückbau, exakt die These dieses Beitrags, nur auf das Parkhaus im Bestand übertragen.

Die sieben Module aus diesem Beitrag sind dabei keine additiven Nebeneinnahmen. Sie verändern die Risikostruktur des Objekts. Ein klassisches Single-Use-Parkhaus hängt an einer einzigen Variable: dem Belegungsgrad durch zahlende Parker. Photovoltaik, Ladeinfrastruktur, Mobility-Sharing, Werbeflächen, Pop-Up-Flächen, Paketlocker und Micro-Fulfillment verteilen das Ertragsrisiko auf unabhängige Nutzergruppen – Autofahrer, Stromkunden, Carsharing-Anbieter, Werbetreibende, Eventveranstalter, Logistikdienstleister. Bricht eine Einnahmequelle weg, trägt das Objekt weiter Cashflow aus den übrigen. Der eigentliche Werttreiber der Transformation ist diese Streuung. Es zählt die Unabhängigkeit der Einnahmequellen voneinander, nicht die einzelne Zusatzeinnahme.

Die stärkste Verbindung entsteht, wo Mobilität technisch mit Energieerzeugung, Wärmeerzeugung und Speicherung zusammenwächst – Sektorenkopplung. Strom vom Parkhausdach lädt Fahrzeuge, Abwärme aus Ladeinfrastruktur oder Blockheizkraftwerken fließt ins Quartiersnetz, Batteriespeicher glätten Lastspitzen und verkaufen Flexibilität ins Netz weiter. Im Betrieb zeigt das Parkhaus mit Energiezentrale im Stuttgarter Neckarpark, wie das aussieht. Eine Anlage versorgt Fahrzeuge, rund 850 Wohneinheiten und ein Schwimmbad gleichzeitig mit Strom und Wärme. Das Parkhaus wird damit zum Knotenpunkt der Energieversorgung im Quartier.

Der Markt bewegt sich bereits in diese Richtung. APCOA ist Europas größter Parkhausbetreiber mit rund 12.000 Standorten. Das Unternehmen hat 2025 bundesweit 307 neue Ladepunkte in Betrieb genommen und plant bis 2035 den Ausbau auf 100.000 Ladepunkte europaweit. Allein die im Bundesverband Parken e.V. organisierten Betreiber verwalten über 6.000 Parkhäuser mit 1,42 Mio. Stellplätzen in Deutschland. Die Fläche für die Transformation ist da. Sie wird heute überwiegend noch mono-genutzt betrieben.

Für Investoren heißt das: Parkhäuser werden noch immer überwiegend nach Stellplatzzahl und Parkgebühr bewertet. Wer Dachfläche, Netzanschluss und Stellplatzbelegung zusätzlich als eigenständige, diversifizierende Ertragsquellen mitdenkt, kauft zum Single-Use-Preis und realisiert die Mixed-Use-Bewertung selbst – bevor der Markt sie einpreist.

Wie das in der Praxis aussieht – von der Schweizer Vollausbau-Lösung bis zur Kölner Umnutzung im Bestand – zeigen die sechs Projekte oben.

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Druckfassung mit allen sieben Ertragsmodulen, Praxisbeispielen und Wertzuwachs-Modell.

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